Dr. Kautz   (Ein Frühwerk von mir - frei nach Goethe)

                                                                        Szene 1

(Nachts im Büro von Dr. Kautz)

Dr. Kautz: (am Tisch sitzend, den Kopf in die Hände gestützt) 

                 Schon fast halb eins. Noch immer muss ich sitzen

                 und im Büro die Stirne mir nass schwitzen.

                 Derweil mein Weib zuhause ist allein.

                 Warum zum Teufel muss das nur so sein?

                 Muss ich nicht all die vielen Mäuler nähren,

                 die arbeiten bei mir tagaus, tagein?

                 Schon vierzehn Tag tut meine Frau sich mir verwehren. .

                 Die Sinne sind mir nahezu geschwunden.

                 Erst gestern war mit einem Callgirl ich verbunden,

                 doch ist´s mir wider allen Reiz

                 ein flottes Auf und Ab für hundert Euro wohl zu haben.

                 Daheim könnt ich mich weitaus günstiger laben.

                 Zwar bin ich willig, doch mangelt´s nicht an Geiz.

                 Zur Zerstreuung will das Radio ich einschalten,

                 um etwas Freude zu solch später Stunde zu erhalten.

(macht das Radio an. Hells Bells von AC DC dröhnt heraus)

                 Hör ich recht? Was klingt da an mein Ohr?

                 James Last ist´s nicht, und auch nicht Hermann Prey.

                 Wer mag das sein? Wie nennt sich diese Dudelei?

                 Verzaubert bin ich, kommt´s mir doch gar zu herrlich vor.

Radiosprecher: Wie? Du kennst AC DC nicht?

                       Die Band, die in beste Stimmung dich versetzt

                       und welche wohl von Höllenglocken spricht.

                       Auf das Du ausflippst und so richtig fetzt.

Dr. Kautz: Kann´s sein, dass ich schon fremde Stimmen höre?

                Wie weit ist´s schon mit mir gekommen?

                 Fast scheint es mir, ich wäre nicht bei Sinnen,

                 dabei hab ich doch noch keinen Schluck genommen

                 vom köstlichsten der Köstlichkeiten. Vom edlen Branntewein.

                 Ich glaub, ich schenk mir erstmal einen ein. 

(trinkt das Glas in einem Schluck leer)

                 Sapperlot! Das Zeug geht wahrlich gut herunter. 

                 Gleich einen zweiten hinterher. Das macht mich wieder munter. 

                 Auf das der edle Saft mich rasch betrunken macht

                 und schnell vorübergeht die dunkelgraue Nacht.  

 

                                                   Szene 2

(im Büro von Dr. Kautz. Harry betritt die Szene. Dr. Kautz liegt betrunken neben dem Schreibtisch)

 Harry:     He, alter Sack! Was liegt Ihr hier am Boden?

               Seid wohl betrunken, vollgesudelt Schwein. 

               Steht auf, sonst gibt´s was auf die Pfoten. 

               A pretty vacant, this is what you are. 

               A bloody bastard. A real superstar. 

               Wie wäre es mit einer Flasche Wein?

               Saufen lässt zu zweit es sich doch viel besser. 

               Wie angenehm, wenn kühl es durch die Kehle läuft

               und man sich langsam und in aller Ruhe dann besäuft. 

              Wie wär´s, Ihr alter Schimmelfresser?

Dr. Kautz: 

(erhebt sich und reibt sich verwundert die Augen)

               Mir scheint, Ihr habt Euch in der Tür geirrt.  

               Oh weh, ich glaub, mein Schädel muss zerspringen. 

               Als hört ich tausend Englein singen. 

               Entschuldigt mich, ich bin noch ganz verwirrt.

(will Harry aus der Tür schieben)

Harry:      Haltet ein, Ihr alter Saufbanause.  

                    Wir machen jetzt ´ne geile Sause.

                   Hier, nehmt euch eine Zigarrette

                   und macht den Radiokasten an.

                  Kotzt Euch nur aus auf der Toilette,

                  doch wählt ein adäquat Programm.

              Die Rockmusik hat es mir angetan.

             Lasst sehen, ob sie auch Euch gefallen kann.

Dr. Kautz:

(nimmt die Zigarette von Harry und zündet sie an)

                Das Bürschlein ist fürwahr verwegen.

                Doch bin ich ihm nicht abgeneigt.

                So will ich ihm den Wunsch recht rasch erfüllen,

                um seine Gier nach Rockmusik zu stillen.

                Und für ein Fläschchen Wein hätt´ ich wohl Zeit.

(macht das Radio an, ergreift die Weinflasche und öffnet sie)

Harry:     Recht so, alter Kaffernlümmel,

               Flußpferdarsch und Hirtenpimmel.

                   Nur etwas lauter stellt das Radio mir,

                  auf das der Sound Euch in die Beine geht.

              Euch irre macht und Euer Hirn verdreht.

Dr. Kautz:  Ist´s nicht dieselbe Musik

                    die gestern Nacht in Verzücken mich versetzt?

                    Sagt an, wie heißt wohl dieses Lied?

Harry:        Ach Doktorchen. Das sind die Boomtown Rats.

                  Die Gruppe hat wohl Zunder.

                  Machte früher mächtig einen los.

                  In England standen sie sechs mal auf Platz sechs. Ist das ein Wunder?

                  In Deutschland schafften sie es bis auf Platz sieben bloß.

                  Die sechs, das ist wohl meine Zahl.

Dr. Kautz:   Mein Gott, der Bursche ist grandios.

                    Vermutlich kann ich noch sehr viel mit ihm erleben.

                    Vielleicht komm ich recht bald aus all dem Stress heraus

                    und lerne wieder, was es heisst, zu leben,

                    anstatt zu hocken in diesem grauen Arbeits-Saal,

                     welches man nennt Büro.

                     Mich dünkt, ich werd hier nimmer froh.

Harry:          So lasst es gut sein, armer Kranker.

                     Die Zeit vergeht ja ziemlich rasch.

                      Wir sehen uns wieder als zwei Punker,

                      und dann wird einer drauf gemacht. 

                     Vor morgens bis tief in die Nacht

                     wird nur gerockt, gehurt, gelacht.

                     Doch nun wird´s Zeit, dass ich verschwinde. 

                    Macht´s gut, bis ich Euch wieder finde. 

Dr. Kautz:  

(reibt sich verwundert die Augen)

                   War´s Wirklichkeit? War´s nur ein Traum?

                    Welch eigenartige Person. 

                     Ein Rock´n Roller. Man ist geneigt zu zweifeln.

                    Und seinen eigenen Gedanken zu misstrauen.

                    Es scheint, als wär das Leben im Suff nur zu ertragen.

                    Man stellt das Denken ein und stellt nicht dumme Fragen.

 

                                                                    Szene 3

(Einige Tage später im Büro von Dr. Kautz. Es klopft. Die Tür springt auf und Harry betritt das Zimmer)

Harry:            Da bin ich wieder. Habt Ihr Euch gut erholt

                      vom Bruder Alkohol, der so erquickend schmeckt?

                      Ein wenig Spaß in Euer Leben will ich bringen.

                      Will aber keinesfalls Euch etwas auferzwingen.

                      Ein Rocker sein, das ist ein echter Gag.

                     Drum frag ich Euch: Mögt Ihr es nicht versuchen?

                     Nur rocken müsst Ihr können, Heavy Metal hören und fluchen.

                     Ich würd Euch gern mit meinen Freunden konsultieren.

                     Vertraut mir nur. Ihr solltet es probieren

Dr. Kautz:     Wer weiß. Ein Versuch kann wohl nicht schaden.

                    Vielleicht erlöst er mich von meiner Grübelei.

                    Doch bin ich arg im Zweifel. Soll ich´s wagen

                    und JA zu dem, was schwanken mich lässt, sagen?

Harry:        

(hakt Dr. Faust unter und marschiert mit ihm auf und ab)

                  So lasst uns gehen, alter Lausebart.

                   Auf das Ihr endlich zeigt, was in Euch steckt.

                  Offenbach´s Keller ist´s, wo man wohl sich fühlt.

                  Wo das Leben tobt, wo Mädchen sind und Tag für Tag eine andere Gruppe           spielt. 

                 Denn denkt daran: Ruckzuck seid Ihr verreckt

                 und habt das Schönste wohl verpasst

                 bevor Ihr recht gelebet habt.

Dr. Kautz:

(will sich los reißen)

                Weh mir. Hab ich doch Furcht, den Anderen mich zu zeigen.

                Fühl mich wie jemand, der verstoßen ist.

                Wär es nicht angebracht, Daheim zu bleiben?

Harry:       Redet nicht solch dummen Quatsch und Schweinemist.

                Kommt, schlüpft in diese Lederjacke,

                dann fallt Ihr weiter gar nicht auf.

               Stecht Euch ein Piercing durch die Backe.

               Wie ich schon sagte: Heute machen wir einen drauf.