Zeit

Die Zeit, sie hat uns alt gemacht.
Die Zeit, sie hat uns Leid gebracht.
Die Zeit frisst uns von innen auf.
Die Zeit hält niemand auf.
 
Die Zeit, sie ist für alle da.
Die Zeit ist häufig unsichtbar.
Die Zeit, sie ist nur manchmal schön.
Die Zeit muss stets vergehen.
 
Und irgendwann kommt mal die Zeit.
Dann ist es auch für dich soweit.
Dann gibst du auf. Dann lässt du los.
Dann wird die Zeit bedeutungslos.

Der Geist

Vor einem Jahr, da träumte ich.
Es war ein Traum, ganz fürchterlich.
Neben mir, da stand ein Geist,
der kam von sehr weit her gereist.
Er sprach: "Hör zu, was ich Dir sage.
Dein Sohn ist tot am Donnerstage.
Doch sei nicht traurig guter Mann,
für seine Zukunft sorg ich dann."
Zutiefst erschrocken wurd ich wach
und dachte lang darüber nach.
Mein Sohn soll sterben? Bitte nein!
Neun Jahre alt und noch so klein.
Hat vom Leben nichts gehabt
und schon hinein ins kühle Grab?
Am Donnerstag Mittag rief mich dann
ein Arzt aus einer Klinik an.
Mein Atem stockte. Was war passiert?
"Ihr Sohn wurd gerade operiert.
Doch lag es nicht in unserer Macht.
Er hat die Augen zugemacht."
Ich hatte keine Tränen mehr.
Und mein Herz war mir so schwer.
Ich dachte an den Geist zurück.
Adieu mein Sohn. Mein ganzes Glück.
 

Der weiße Hirsch

Es gingen drei Jäger durch den finsteren Wald.
Der eine fror und dem anderen war kalt.
Der dritte Hatte Schmerzen im Magen.
Den weißén Hirsch wollten sie jagen.
So wanderten sie wohl über vier Stunden
und hatten noch keine Fährte gefunden.
Sie wurden müde und hungrig auch,
und so setzten sie sich und füllten den Bauch.
Sie tranken zwei Flaschen vom roten Wein,
und wie sie so saßen, da schliefen sie ein.
Und während sie schnarchten, man glaubt es kaum,
stand der weiße Hirsch direkt neben dem Baum.
Der stolze Hirsch mit seinem Geweih
stand regungslos da und beäugte die drei.
Da plötzlich öffnete einer die Augen,
erblickte den Hirsch und konnt es nicht glauben.
Da rief er aus: "He Kameraden,
lasset uns die Gewehre laden."
Das taten auch alle. Es machte bumm,
und tödlich getroffen fiel ein Jäger um.
Dem zweiten Jäger wurds bange ums Herz.
Er spürt in der Brust einen stechenden Schmerz.
Ein Herzinfarkt ließ ihn zu Boden fallen.
Der dritte Jäger war der letzte von allen.
Dem Jäger wurde Angst wie noch nie.
Er sah den Hirsch vor sich und fiel auf die Knie.
Der Zwölfender stach ihm mit seinem Geweih
und es tat der Jäger den letzten Schrei.
Majestätisch schritt der Hirsch zurück in den Wald.
Der Wind blies von Osten. Noch immer war´s kalt.
War es ein Märchen oder war es real?
Dem weißen Hirsch ist das völlig egal.
   

Die beiden Fliegen

Ich saß am Tisch beim Blumenkohl
und fühlte mich gar pudelwohl.
Mit Semmelbrösel und Muskat
mundete er delikat.
Vom Duft des Kohles angezogen
kamen zwei Fliegen angeflogen
und setzten sich, sie waren so frei,
genau auf den Kartoffelbrei.
Dieses erboste mich dermaß,
das ich den Blumenkohl vergaß.
Ärgerlich und wutentbrannt
nahm ich die Zeitung in die Hand
und versuchte mit Behagen,
die beiden Fliegen tot zu schlagen
 Aber ach, sie waren schneller,
und flogen auf den Essens-Teller.
Schwupp, der Teller lag in Scherben.
Die Fliegen wollten noch nicht sterben
und flogen flugs auf die Tapete
von meiner alten Tante Grete.
Schwupp, die Zeitung saust schon wieder
auf eines dieser Biester nieder.
Zu Boden fällt die Kuckucks-Uhr.
Die beiden Fliegen schauten nur.
Vom Lärm geweckt und wutentbrannt
kam Tante Grete angerannt.
Sie sah sich um und schimpfte sehr
über das geschehene Malheur.
Den beiden Fliegen war sehr wohl.
Sie naschten von dem Blumenkohl.
Die Grete schrie: "Gibt´s keinen Frieden?"
Die Kuckucks-Uhr, sie schlug halb sieben.  

 

Fritzen´s Pudelmütze

Windstärke zehn, und Meyer´s Fritze
weht vom Kopf die Pudelmütze,
die seine Mutter ihm gestrickt.
Der Fritze, der ist nicht entzückt.
Erschrocken schaut er hinterher.
Die Mütze kriegt er doch nicht mehr,
denn diese ist in hohem Bogen
bis weit hinter Berlin geflogen.
Ganz traurig schaut der Fritze aus,
und läuft so schnell es geht nach Haus.
Die Mutter fragt ihn: "Sag mir, Fritze,
wo hast Du Deine Pudelmütze?"
Der Fritz erzählt, was ihm geschehen.
Die Mutter findet das nicht schön.
Sie schimpft und meckert mit ihm rum.
Da kommt der Vater mit Gebrumm.
Der Vater, er ist sturzbesoffen.
Sein Hemd ist bis zum Nabel offen.
Des Vater´s Mantel ist ganz fleckig,
und seine Schuh sind nass und dreckig.
Die Mutter weint: "Ich arme Frau.
Mein Mann kommt heim sternhagelblau.
Und während ich allein hier sitze,
verliert der Bub die Pudelmütze."
Die Mutter soll den Fritze holen,
damit der Paps ihn kann versohlen.
Doch Fritz hat Lunte wohl gerochen
und ist unter das Bett gekrochen.
Der Vater lallt: "Ich armer Mann.
Was fang ich mit dem Bengel an?
Tät ich nicht immer so viel saufen,
könnt ich ihm eine neue kaufen."
Am nächsten Montag geht der Mann,
und kauft dem Fritze also dann
´ne Mütze mit viel Innenfutter.
Es freuen sich Vater, Fritz und Mutter.  
 

Hans im Glück

  Hans im Glück war ein ganz stiller.
Er arbeitete bei einem Müller.
Er schuftete von früh bis spät,
bis sein Chef in Rente geht.
Der sprach: "Zwölf Jahre warst mir treu.
Hier, nimm das Gold. Mach´s gut. Bye Bye."
So ging der Hans aus freien Stücken
mit Hab und Gut auf seinem Rücken
bis in den weit entfernten Deister.
Dort traf er einen Handwerksmeister.
Der saß beschwingt und unbeschwert
auf einem wunderschönen Pferd.
Hans tauscht das Gold gegen den Zossen
und ritt davon auf stolzen Rossen.
Bei Rinteln legt er sich zur Ruh.
Da kam ein Bauer mit ´ner Kuh.
Dem Hänschen wurd´ die Kehle trocken.
Da fing der Bauer an zu zocken:
"Willst trinken Du, kriegst Du dies Tier,
und Du gibst mir den Gaul dafür."
So besiegelten sie den Deal,
und Hans trank von der Milch ganz viel.
Mit der Kuh kam er nur schlecht voran,
drum tauschte er sie alsodann
gegen eine fette Gans.
Wie glücklich war da unser Hans.
Nun läuft er heim zu seiner Mutter.
Die legt die Gans in gute Butter.
Dieser saftige Gänsebraten
ist ganz besonders gut geraten.
Hans ist zufrieden jetzt und satt.
Er hat mal wieder Glück gehabt.
Braucht weder Kuh noch Pferd noch Gold.
Das alles hat er nie gewollt.
Wichtig ist, ganz ohne Scherz,
das man besitzt ein goldenes Herz.     

 

 Wer?

Wer wird sich an mich erinnern,

wenn ich mal nicht mehr bin?

Oder heißt es schlicht und einfach:

Aus den Augen, aus dem Sinn?  

Mein Leben, das sind Scherben

aus billigem Porzellan.

Ich hab nichts zu vererben.

Muss ohne was zum Himmel fahren.  

Wer wird an meinem Grab stehen?

Das würd ich wirklich gerne wissen.

Niemand wollte mich verstehen.

Niemand wird mich je vermissen.  

Wer wird um mich weinen,

wenn ich im Grabe lieg?

Ich glaub, da gibt es keinen.

Scheißegal. Für mich gibt es kein Zurück.           

 

Morgens um 5

 

Morgens um 5 auf dem Balkon
Die erste Amsel zwitschert schon.
So wie jetzt, so müsst´ es immer sein.
Ganz tief atme ich aus und ein.
Allmählich geht die Sonne auf.
Ich fühl mich gut. Ich bin gut drauf,
und lausch dem Rauschen von den Bäumen.
Keinen Moment möchte ich versäumen.
Die Katze liegt schnurrend mir zu Füssen.
Sie tut das Leben mir versüßen.
  Dort unten steht ein Mann mit Hut. I
Ich wink ihm zu. Es geht mir gut.    

Mein bester Freund

Mein bester Freund ist weggegangen

Mein bester Freund, das war mein Hund.

Mein bester Freund hat mich verlassen.

Bin nun allein von dieser Stund.

Bin todtraurig, kann nicht denken.

Ich fühle mich ganz fürchterlich.

Würd Dir jetzt gern ´nen Knochen schenken.  

Was soll ich machen ohne Dich?

Dich werde ich nie vergessen.

Habe heut von Dir geträumt.

Ich kann schon nichts mehr essen.

Leb wohl mein alter Freund.    

Celle 

 

Waren Sie schon mal in Celle?
Diese Stadt kann ich empfehlen.
Nehmen Sie sich Zeit. Nicht auf die Schnelle.
Man kann die Stadt gar nicht verfehlen.
Mitten im schönen Niedersachsen,
von Hannover gar nicht weit,
wo die Heidekräuter wachsen,
verlebt man dort die schönste Zeit.
Doch Sie sollten ehrlich bleiben,
denn die Polizei ist helle.
Immer höflich und bescheiden,
sonst landen Sie in einer Zelle.  

 

Die FDP ist raus

Es war absehbar, doch es traf mich so wie ein Paukenschlag.
Denn die FDP ist seit heute nicht mehr im Bundestag.
Einfach rausgewählt. Einfach abgestraft. Nein, das ist nicht fair.
Ich bin konsterniert. Völlig fassungslos. Und mein Herz ist schwer.
 
Diese fünf Prozent hast du knapp verfehlt. Doch das ist kein Trost.
Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher sind kollossal erbost.
Philip Rösler sagt, ihn trifft keine Schuld. Brüderle ist verstummt.
Jürgen Möllemann dreht sich noch einmal in seiner Urne um.
 
Diese FDP hat sich ganz und gar das Genick verstaucht.
Ach es tut so weh, denn von nun an wird man nicht mehr gebraucht.
60 Jahre lang stets im Bundestag und nun trifft es dich wie ein Magenschlag.
Der ganze Mittelstand ist nun verzagt.
 
Du bist nur noch eine Splitterpartei.
Du liegst am Boden. Es ist aus und vorbei.
Adieu. Leb wohl. Goodbye